Was beinhaltet diese Ausbildung?

Diese Ausbildung ist eine Beckenboden fundierte Hatha YogalehrerInnen Ausbildung für Pre- und Postnatalyoga. Im Zeitraum von 2 Jahren wirst du in Modulen an 8 Wochenenden und 2 Intensivwochen, insgesamt 558 Unterrichtseinheiten Yoga und zusätzlich fundiertes Wissen zum Beckenboden sowie Rektusdiastase und zur Geburtsbegleitung erfahren. Jedes Wochenende enthält einen speziellen Schwerpunkt, der auf den eigenen Prozess zum Yogalehren, sowie zur Geburtsbegleitung alle nötigen Werkzeuge und Denkanstöße vermitteln soll.

 

Was ist Vini Yoga?

"Stellen Sie sich ein vollbesetztes Wartezimmer beim Arzt vor. Die Tür geht auf, der Doktor tritt heraus und verteilt Aspirin an ALLE, ohne die besonderen Probleme der Einzelnen zu berücksichtigen" (Gary Kraftsow)

YogaLehrerende, die sich dem Konzept des Vini Yoga verpflichtet fühlen, ziehen in Betracht, das jeder Mensch anders und besonders ist. Deshalb werden alle Yogaübungen an den Menschen angepasst und nicht alle erhalten die gleichen Übungen. Das ist der Sinn von Vini Yoga. Es ist die Bezeichnung für eine differenzierte Umgehens- und Herangehensweise mit dem großen Schatz des Yoga, die man in dieser Form nur im Vini Yoga findet. Besonders für die Abläufe während einer Geburt gilt es, den einzelnen Menschen zu betrachten und folglich bestmöglich individuell auf die Geburt vorzubereiten.

 

Die Schwerpunkte der einzelnen Module

Zusätzlich zum Yoga, das an jedem Wochenende unterrichtet und vertieft wird, gibt es jeweils einen inhaltlichen Schwerpunkt zu jedem Modul. Diese Schwerpunkte sind:

 

1. Resonanz und Selbstfürsorge als Übungsweg

Selbstfürsorge als eigenes Modul? Was lerne ich denn da? Konkret? Da bleibe ich lieber zuhause und nutze meine Zeit. Was bringen wir mit in unsere Arbeit, in unser Familienleben, zu unseren Kindern und Freunden? Hatten wir den ganzen Tag viel zu tun, kaum Pausen, sind abhetzt und müde? Reißen wir uns zusammen und setzen unser bestes Gesicht auf, wenn wir zu unserem KundInnen gehen? Anschließend sind wir erschöpft und körperlich unausgeglichen, denn von Zeit für Bewegung des eigenen Körpers, Mußestunden für den Geist und tiefer Atem können wir nur träumen? Und umgekehrt: Möchte ich, wenn ich Hilfe brauche betreut werden von einem Menschen, der für sich selbst nicht ausreichend sorgt? Dem ich ansehe, dass er seine Herzensqualitäten nicht offenlegen kann. Anspannung ohne Entspannung. Können wir stolz sagen, heute habe ich mich genährt, war Schwimmen, bei der, habe ein Buch gelesen und Freunde getroffen und das NEBEN der Arbeit und Familie? Was muss geschehen, um damit anzufangen, Selbstfürsorge zu üben, als Vorbild für die eigenen Kindern. Wie sollen wir überzeugend Wehenpausen vermitteln, wenn wir uns selbst keine Pausen gönnen?

Modul 1 soll gut tun, nähren, entschleunigen und in eine neue Grundhaltung führen – der Weg zuerst sich selbst zu helfen, nichts tun zu müssen und in Resonanz zu treten mit dem, was für jede bereit steht.

 

2. Yoga als Geburtsvorbereitung, pränatal Yogaphilosophie für die Geburt bietet einen Garten gefüllt mit hilfreichen Werkzeugen an

In die Ruhe finden, den Geist zur Ruhe bringen, ist ein Ziel des Yoga und gilt gleichermaßen für die Geburt. Beobachtet man eine in Ruhe gebärende Frau, so beginnt jede Geburt mit Bewegung und Rhythmus finden. Im Schwangerenyoga können die Frauen erfahren, dass sie ihre Wahrnehmung auf verschiedene Bereiche ihres Seins richten können, die alle für sich selbst stehen: Körper, Atem und Geist. Der Körper macht seine Sache meist sehr gut, er hat ein eigenes emotionales Gedächtnis, der Atem darf frei sein oder bewußt geführt werden und unser Geist macht gerne Drama. Wie also gelingt es in einer unbekannten Situation wie der Geburt, die Aufmerksamkeit so zu lenken, dass der Geist nicht dominiert – das wird Thema dieses Wochenendes sein. Wir werden viel üben und die TeilnehmerInnen bekommen Übungsreihen an die Hand. Wir werden eintauchen in die Grundprinzipen des Kursaufbaus für Schwangere in sinnvollen Schritten und diese aufschreiben lernen. Phasen der Geburt, Anatomie des Beckens und die Bedeutung des Beckenbodens werden erläutert.

 

3. Herzöffner - Herzöffnende Methoden für die Geburt durch Berühren, Rebozo, Gespräche und Individuelle Betreuung

Das Herz öffnen ist eine Metapher. Körperlich kann durch bestimmte Bewegungen im Yoga der Raum im Brustkorb eine Öffnung erfahren. Durch Atemübungen kann der Atem vertieft werden und in Meditationen (z.B. zum Baby oder zum eigenen Herzen hin) kann der Geist sich nach innen ausrichten. Hierzu wird eine Yogaübungsreihe vorgestellt. Das Herzthema hat eine sich öffnende Haltung zu persönlichen Themen oder Ereignissen im Leben und ist sehr individuell. Das gilt besonders für Schwangere und ihre PartnerInnen. Bei der Geburt geht es um die größtmögliche Öffnung der Frau. Ein vertrauensvoller Umgang mit dem Dreiklang Körper, Atem und Geist sowie den Abläufen der Geburt ist ebenso von Vorteil wie die große Kraft der Liebe zwischen den an der Geburt Beteiligten. Wie aber kann diese Herzqualität in einem meist genau getakteten Raum – Zeitgefüge eines modernen Geburtsortes existieren? In Yogaübungsreihen betrachten wir den Zusammenhang des offenen Herzens mit dem Öffnen des Beckens und des Beckenbodens ( Vertiefung aus Modul 2) Wir werden uns einen Vormittag mit der eigenen Motivation und den Herzqualitäten beschäftigen, Übungen zum Wahrnehmen und Zuhören aus der MBCP Tradition erlernen sowie uns an das Thema Berührung herantasten: Wir üben mit dem Rebozo, einem traditionellen Geburtsschal und diskutieren die Notwendigkeit der individuellen Betreuung während der Zeit rund um die Geburt. Dieses Modul ist von Stille und Innenschau geprägt. 

 

4. Birth – Geburten individuell begleiten

Um eine Geburt zu begleiten, ist es von größter Wichtigkeit die Frau/die Lebensgemeinschaft der Frau bis zur Geburt zu begleiten. Die Geburt beginnt nicht mit der ersten Wehe, sondern mit einer fundierten und liebevollen Vorbereitung bis zur Geburt. Daher sind GeburtsbegleiterInnen auch jene, die Geburten vorbereiten und selbst nicht anwesend sind während der Geburt. Als Geburtsbegleiterin sehe ich es als meine wichtigste Aufgabe an, die werdenden Eltern so gut vorzubereiten, dass sie auch ohne mich zurecht kommen würden. Bei der individuellen Geburtsvorbereitung geht es um Variantenreichtum der GeburtsbegleiterInnen. Es geht nicht darum, alles, was wir wissen, zu vermitteln, sondern es passend zu machen für unsere KundInnen. In diesem Modul wird dies konkret gemacht: Anzahl der Hausbesuche, genaue Inhalte der Hausbesuche und an anpassen an die Menschen und ihre Bedürfnisse.  Meine Hausbesuche biete ich als Paket an in 3 x 2,5 Stunden, hinzukommen öffnende Massagen für die Frau, Vorgespräche und Hausbesuche für besondere Bedürfnisse (z.B. Aufarbeitung von schlechten Erfahrungen bei vorausgegangenen Geburten, Abbau von Ängsten und Stress) und eine Beratung für Kaisergeburten.

 

5. Fundament Beckenboden, Yoga postnatal

Modul 5 befasst sich intensiv mit dem Beckenboden nach der Geburt, immer wieder mit dem Hinweis, dass die Frauen unbedingt vor der Geburt ihren Beckenboden kennen sollten, da das Kind durch Becken geht. Nach der Geburt geht es um das sogenannte Rückbilden der Beckenbodenmuskeln. In Wirklichkeit geht es um viel mehr: Die Frau ist nach der Geburt meist konfrontiert mit starken Ungleichgewichten. Körperlich fehlt der innere Halt durch ungleiche Spannungsverhältnisse der Beckenboden, Bauch und Rückmuskulatur, die fasziale Struktur muss häufig erst gelöst werden (Modul 6), um wieder beweglich zu werden. Vom langen tiefen Atem und den hilfreichen Atemtechniken aus dem Yoga ist nach der Geburt erstmal nichts mehr übrig. Der Atem stockt, viele Mütter halten die Luft an oder atmen flach. Das Thema Selbstfürsorge wird wichtig. Auf geistiger Ebene herrscht viel Unsicherheit, viele Schwangere beschäftigen sich nur mit Themen bis zur Geburt und sind dann überfordert und vor allem müde. Wir praktizieren Yogaübungsreihen zur ersten Kräftigung des Beckenbodens und zum Wahrnehmen der neuen Lebenssituation mit Kind. Des Weiteren vertiefen wir uns in aufbauende Kurse zur Schließung der Rektusdiastase, der Rumpfstabilität bis hin zu kraftvollen Bauchmuskelübungen. Ziel ist, dass die TeilnehmerInnen selbst diese Kurse in ihrem Umfeld halten können.

 

6. Lover - Faszienmassage am Beckenboden, Sexualtherapie, Dasein - Unterstützen Leidenschaft – Was Leiden schafft

Ein großer Teil des Modul 6 beschäftigt sich mit dem Erlernen der faszialen Massage am Beckenboden. Zunächst werden fasziale Strukturen im Körper erklärt und Zusammenhänge aufgezeigt zwischen faszialen Spannungen und Schmerzzuständen im Körper. Durch die Berührung zusammen mit dem Atem der zu behandelnden Person erfahren wir Geschichten, die der Körper gespeichert hat und die von der Gegenwart bis in die Vergangenheit reichen können. Fallbeispiele aus meiner eigenen Praxis dienen dem Verständnis sowie dem Üben der Dokumentation einer durchgeführten Behandlung. Ziel ist es, dass die TeilnehmerInnen selbst Faszienmassage bei ihren Kunden/Kundinnen durchführen können und so ein tieferes Verständnis über ihre KlientInnen erhalten. In diesem Zusammenhang betrachten wir den Beckenboden aus Sicht der Sexualtherapie. Geburt ist ein sexueller Akt – wie kann Sexualität fern dessen, was uns in Medien vorgelebt wird tiefer erlebt werden. Zugang dazu ist der Beckenboden und die Arbeit am Fundament mit Körper, Atem und Geist. Beleuchtet werden soll hier auch welche Grundvoraussetzungen nötig sind, um loslassen zu können: Dasein und unterstützen gilt eben nicht nur für die geburtsbegleitenden Prozesse, sondern auch für die Prozesse in der Sexualität. Auch die Leidenschaft, das Anhaften an Bilder oder Abläufe in intensiven Prozessen kann schmerzhaft erlebt werden und sogar zu Einsamkeitsgefühlen und Verlassenheitsängsten führen anstatt zu innerer Kraft und Esprit.

 

7. Atmen - Unbewusste Abläufe, Tiefenentspannung – Hypnose – Geburtshypnose

In Modul 7 kann ich auf wunderbare, bereits erprobte und erforschte Ergebnisse von jenen Frauen zurück greifen, die VorreiterInnen waren, um Geburt nicht nur als körperlichen Vorgang zu sehen, sondern als ein komplexes Gebilde aus bewußten und unbewußten Abläufen zwischen Körper, Atem und Geist. Diese PionierInnen waren Ina May Gaskin, Mary Mongan und Nancy Bardacke sowie Myla Kabbat Zinn, um nur die zu nennen, mit denen wir uns beschäftigen werden. Zunächst wird erklärt welche Faktoren im unbewußten wirken bei Ängsten und Stress. Der Notfallreflex begleitetet uns und wir machen einen Ausflug in die Steinzeit. Später geht es um die Methoden, um Stress und Angst während der Geburt, aber auch in anderen intensiven Prozessen, umzuwandeln in eine ausgerichtete innere Haltung. Wir üben Methoden zur Tiefenentspannung und gewinnen Einblicke in die (Selbst)Hypnose. Ziel ist es einige dieser Methoden im Yogakurs oder in Einzelarbeit nutzen zu können, individuell angepasst.

 

8. Loslassen - Anspannung – Entspannung, Trauer, Geburtsplan loslassen

Im Modul 8 wenden wir uns dem Thema des Loslassens zu. Hierzu zählt auf körperlicher Ebene Spannungen abzubauen und zu verstehen, dass es Gegenspieler gibt in unserem Körper – Atem – Geist Gefüge. Ohne Anspannung – keine Entspannung. Es soll aufgezeigt werden, dass Entspannung nicht einfach ein passiver Prozess ist, den Frau sich nicht leisten kann, sondern ein aktives Reagieren auf Anspannung. Übungsreihen aus dem Beckenboden Yoga werden dazu vorgestellt.  Letztendlich sind wir beim Ende der Ausbildung angelangt mit dem Ziel, keinen bestimmten Plan, keiner bestimmten Lehrmethode zu folgen, sondern immer wieder wahrzunehmen, was ist. Was wird gebraucht in gegenwärtigen Moment und wie kann ich vorher mein Körper-Atem-Geist Gefüge so ausrichten, dass ich im Moment gegenwärtig sein kann – EGAL WAS GESCHIEHT. Es gibt keinen Geburtsplan, der genauso eintrifft, wie wir es wünschen, durchaus aber Herzensqualitäten und Werkzeuge, die helfen das Richtige zu tun. Trauern ist eine Form des Loslassen, die weit mehr braucht als nur einen Gegenspieler: Zeit des Heilens und des Trauerns, Unterstützen durch Dasein (Modul 6) und alles SOSEIN lassen, annehmen, wie es im Moment ist. Wir beschäftigen uns mit Abschied nehmen von Geburtsabbrüchen, Abgängen, Totgeburten und den Umgang der BegleiterInnen mit diesen tiefen Themen.

 

In den beiden Intensivwochen wird es jeweils an 3 Tagen ein Schweigeretreat geben. Schwerpunkt der restlichen Zeit ist das Vertiefen der gelernten Inhalte, sowie das praxisnahe Üben eigene Kurse anzuleiten.

 

Selbststudium

Lernen ist Herausfinden, was Du bereits weißt. Handeln ist zeigen, dass Du es weißt.

Ein Selbststudium zwischen den Modulen in theoretischer wie auch praktischer Weise wird Teil der Ausbildung sein. Es geht uns hierbei nicht um Wissensabfrage, sondern um einen tiefen Prozess der Selbstfürsorge. Nur wer sich selbst gut nähren und versorgen kann, kann dies auf längere Sicht auch für andere tun. Das Selbststudium dient also einem Prozess hinein in ein Lebenskonzept der Fülle und Freude jeder einzelnen TeilnehmerIn.

 

Inhaltsvermittlung

Lehren ist andere wissen lassen, dass sie es genauso gut wissen, wie du selbst. Wir alle sind Lernende, Handelnde, Lehrer.

Die Inhalte werden nach bestem Wissen und dem neuesten Stand vermittelt. Wir verstehen uns als Team von Lehrenden, die nie aufhören neugierig zu sein. Wir glauben, dass Lehrinhalte aus dem Yoga, Geburtsvorbereitung und Geburtsbegleitung sowie Achtsamkeit diskutierbar sein sollen. Wir sind offen für Veränderungen, Verbesserungen und prozessorientierte Arbeit an uns selbst und den Inhalten der Lehre. Daher freuen wir uns besonders auf den Austausch mit unseren TeilnehmerInnen, die ihrerseits Kompetenzen und Persönlichkeit mitbringen. Für die Fachschwerpunkte der jeweiligen Module werden Fachpersonen eingeladen, die leidenschaftlich mit ihrem Spezialgebiet verwoben sind und mit großer Freude diese zu vermitteln wissen.

 

9. Zertifikat und Prüfungsinhalte

Mit Modul 9 findet eine mündliche und praktische Prüfung statt. Vorab haben die TeilnehmerInnen Zeit, um eine schriftliche Arbeit zu verfassen, die ebenfalls Teil der Zertifizierung sein wird. Diese Arbeit wird Fragen zur Ausbildung und ein selbst gewähltes Thema beinhalten. Nach bestandener Prüfung erhalten die TeilnehmerInnen ein Zertifikat und sind befähigt pränatales und postnatales Yoga in Gruppen abzuhalten. Zudem können sie als GeburtsbegleiterInnen Geburten in Einzelarbeit (Hausbesuchen) vorbereiten, Geburten begleiten, sowie Beckenbodenarbeit in der Gruppe sowie in Einzelarbeit mit Frauen jeden Alters durchführen. Dazu gehört auch die faszienlösende Beckenbodenmassage, um Dysbalancen am Beckenboden auszugleichen und durch manuelle Therapie für eine gesündere Haltung und Rumpfstablilität zu sorgen.

Die Ausbildung erfüllt die Vorgaben der Zentralen Prüfstelle Prävention zur Zertifizierung von Präventionskursen nach §20 ( 2 jährige Ausbildung mit 558 Unterrichtseinheiten). Zusätzlich wird ein medizinischer oder pädagogischer Grundberuf in einem ähnlichen Feld (z.B. Arzt) verlangt. Alle anderen Grundberufe müssen 200 Stunden Praxiserfahrung im Unterrichten nach Beendigung der Ausbildung nachweisen, um die Krankenkassenzulassung zu erhalten.

 

Newsletter von Osterloh

Um immer informiert zu bleiben, melden Sie sich jetzt an